Wie werden HMIs aus Glas robust?
Schutzart vs. Schutzklasse: Wie wird die Robustheit in der HMI-Entwicklungen gestaltet?
In der Entwicklung moderner Human-Machine Interfaces (HMI) spielt Sicherheit eine ebenso große Rolle wie Design und Funktionalität. Zwei technische Begriffe tauchen dabei regelmäßig auf: Schutzart (IP-Schutzgrat) und Schutzklasse. Beide definieren, wie gut ein Gerät gegen äußere Einflüsse oder elektrische Gefahren abgesichert ist – doch sie meinen nicht dasselbe. Dieser Beitrag erklärt den Unterschied und zeigt, warum diese Unterscheidung bei der Entwicklung individueller HMI-Lösungen, z. B. für Gebäudeautomation, Industrie oder Medizintechnik, eine zentrale Rolle spielt.
Was ist die Schutzart (IP-Schutzgrad)?
Der Schutzgrad – international als IP-Schutzart (Ingress Protection) bezeichnet – beschreibt den Schutz eines Gerätes gegen das Eindringen von Fremdkörpern (z. B. Staub, Schmutz) und Feuchtigkeit. Die IP-Kennzeichnung besteht aus zwei Ziffern, z. B. IP65. Die erste Ziffer steht für den Schutz gegen feste Objekte, die zweite für den Schutz gegen Wasser. Die Kombiantion der Schutzartzahlen, nennt man Schutzgrad.
Beispiel: IP65 bedeutet staubdicht (6) und geschützt gegen Strahlwasser (5).
Folgend in der Tabelle wie die IP Schutzart aufgeschlüsselt ist und welche Anforderungen mit welcher Bezifferung erfüllt werden:
Schutzart vs Schutzklasse?

Die Schutzklasse beschreibt den elektrischen Schutz eines Gerätes gegen gefährliche Spannungen. Sie gibt an, wie ein Gerät konstruktiv vor elektrischem Schlag geschützt ist, und unterscheidet sich somit deutlich von der Schutzart.
Die wichtigsten Schutzklassen sind:
• Schutzklasse I – Geräte mit Schutzleiteranschluss (geerdet)
Typische Geräte: Kphlschränke, Elektroherde, Waschmaschinen
• Schutzklasse II – Geräte mit doppelter oder verstärkter Isolierung.
Typische Geräte: Elektrowerkzeuge, Geräte für Haar-& Hautbehandlung
• Schutzklasse III – Geräte, die mit Schutzkleinspannung (SELV) betrieben werden
Typische Geräte: Medizinische Geräte, industrielle Maschinen, Geräte die in der Badewanne verwendet werden oder Spielzeuge.
IP Schutzart Quelle: Wikipedia
Der Unterschied auf einen Blick
Während der Schutzgrad (IP) äußere Einflüsse wie Staub und Wasser beschreibt, definiert die Schutzklasse die elektrische Sicherheit. Beide Systeme ergänzen sich und sind für die Zulassung und den sicheren Betrieb von elektronischen Geräten unverzichtbar.
Warum diese Unterscheidung wichtig ist
In der Praxis werden Schutzgrad und Schutzklasse häufig verwechselt – mit potenziell gravierenden Folgen. Ein Gerät kann beispielsweise über eine hohe IP-Schutzart verfügen, aber dennoch gefährlich sein, wenn es keine geeignete Schutzklasse besitzt. Umgekehrt schützt eine hohe elektrische Isolierung nicht vor eindringender Feuchtigkeit. Nur die Kombination beider Kriterien gewährleistet maximale Sicherheit und Zuverlässigkeit.
Bedeutung für individuelle HMI-Entwicklungen
In der Entwicklung von Human-Machine Interfaces (HMI) sind Schutzgrad und Schutzklasse zentrale Designparameter und essentielle Lastenheft vorgaben in Kundenprojekten. Sie bestimmen nicht nur Sicherheit und Funktion, sondern auch Designfreiheit, Materialauswahl und Produktionskosten.
Die Bedeutung für HMIs in unterschiedlichen Branchen

Gebäude & Gebäudeautomation
HMI-Systeme in Gebäuden müssen Feuchtigkeit, Reinigungsmitteln und wechselnden Temperaturen standhalten. Typische Anforderungen:
- IP54–IP65 für Spritzwasserschutz
- Schutzklasse II bei Geräten ohne Erdung
- Glasoberflächen für Hygiene und Design
Fehlerhafte Spezifikationen können zu Feuchtigkeitsschäden oder Ausfällen führen, z. B. in Smart-Home-Steuerungen.
Industrielle Anwendungen
In Produktionsumgebungen sind Staub, Öl-Nebel und Reinigungsprozesse an der Tagesordnung. Hier sind robuste HMIs mit IP65 bis IP69K und Schutzklasse I Standard. Zudem sind Stoßfestigkeit und chemische Beständigkeit entscheidend, um Produktionssicherheit zu gewährleisten.
Medizintechnik
In der Medizintechnik gelten besonders strenge Normen (IEC 60601). Hier müssen HMIs leicht zu reinigen, desinfizierbar und elektrisch sicher sein. IP65 oder höher und Schutzklasse II oder III sind Pflicht. Kapazitive Glasoberflächen minimieren das Kontaminationsrisiko und erhöhen die Hygiene.
Sicherheit beginnt im Designprozess
Die richtige Kombination aus Schutzgrad und Schutzklasse ist kein formaler Standard, sondern eine Grundvoraussetzung für zuverlässige HMI-Systeme. Schon in der Designphase sollte die Schutzstrategie festgelegt werden – angepasst an Branche, Umgebung und Benutzeranforderungen. Bei EVYTRA wird der Schutz als integraler Bestandteil des Designs verstanden: Funktion, Sicherheit und Ästhetik bilden eine Einheit, siehe unsere Kompetenzen.
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